KULT10

KULTregister

 

 

 

Y N H A L T

 

EDYTORYAL                                                             1

YMPRESSUM                                                            1

REFLEXYON                                                             2

Annäherungen an den Sernoldysm  (5)   

REPLYK                                                                    3

Dirk Farklas, Entgegenung auf die Entgegnung

Tuberkel Knuppertz, Tabu-Brecher?

FORUM                                                                     4

ALYCE Schrybyr, Poetry Network Unlimited

Frank Bröker, Subkultur & 150 Milligramm Vomex A

Alexander Müller, Eine Deviation

PROSA                                                                    10

Walter Jauernich, Überlegungen

Jürgen Landt, Kein Satz Wischblätter

Andrea Diener, Existenzen

FEUILLETON                                                           15

Erwin Wagner, Abschied von Ernst Umbach

Karl-Heinz Schreiber, That gives it not!

Stefan Reis, Kokettierender Schreiber

Britta Semmel, Zwischen Bild und Wort

SinnFlut - Für Anthologisteniker

Termine - magVIEW

Autonomie in Reflexion und Praxis - PC  (2)

LYRYK                                                                     31

Alexander Scholz, Susanne Bongartz, Jürgen

Völkert-Marten, Marianne Gaponenko, Günter Fraunhofer, Angelika Fay, Harald K. Hülsmann,

Irmgard Maria Ostermann, Theo Breuer,

Dittmar Werner, Markus Peters

JELZIN                                                                    42

Michael Schönauer, Erich Czernoch, Jochen König

Franz Staab, Tina Deller, Gabriele Haas-Rupp, Peggy Wehmeier, Hadayatullah Hübsch, Brigitte Breidenbach

REZENSIONEN                                                        46

Zu: Erich Czernoch, Andreas Mäckler, Michael

Itschert, Jörg Stein, Franzobel, Norbert Sternmut, Manfred Wieninger, Klaus-Dieter Regenbrecht,

Kai Engelke, J.W.v. Goethe

QUYECKYES (Diener, Feldkamp, Flenter, Füssel, Götterwind, Hübsch, Kehle, Kumar, Lück, Maroni,

Müller, ERPE, Schäfer, Völkert-Marten

SERYE:  'Archetypen meiner Zeit' (A. Müller)             56

 

 

POETRY NETWORK

 

     Eine Netzwerk-Idee ist niemals neu - aber im-mer gut! Kein geringerer als Biby Wintjes hatte daran seit 1969 unbeirrbar gearbeitet. Und seine Gazetten UM & IMP waren die absoluten Netz-werk-Zines für uns alle, die wir notorisch "unauf-gefordert" Manuskripte verschicken & innerhalb kalkulierbarer Zeitfristen wieder zurückbekom-men. Zum Glück für uns alle führte Bruno Runzheimer das Projekt impressum weiter – bis ihn Ende 1999 die Kraft verließ! Zusätzlich entstanden immer wieder Eigeninitiativen, die teils kooperieren, teils konkurrieren wollten. Es ist ein sensibler Balanceakt zwischen Eitelkeit & Solidari-tät. Und so schaffte sich manches Projekt bzw. manche Projektgruppe (Zeitschrift, Kleinverleger, Versand) ein mehr oder weniger funktionstüchtiges Marktsegment in der Literatur-Regionalliga der expansionsgeilen Sub-Nischen.

     Seien wir doch einmal naiv-ehrlich: mit jeder Zeitschrift beispielsweise können wir uns gegenseitig Veröffentlichungsmöglichkeiten offerieren - frei nach dem Motto: bringst Du mich, bring ich Dich. Als Prinzip einfach & effektiv - sollte man meinen. Fünfzig Kumpels verteilt in der Republik bringen fünfzig Zeitschriften heraus - und schon hat jeder von ihnen neunundvierzig Veröffentlichungsmöglichkeiten - ist das nicht phänomenal - wenn die fünfzig miteinander klarkommen! 

(Ausschnitt)

 

ENGAGIERT  BIS  HUMORIG

Zu: Kai Engelke, Detlef, ruf Deine Mutter an

(Klaus Bielefeld Verlag, Friedland 1998), 168 S., DM 17,80

     Der vielfältig aktivistische Autor (Jg. 1946) - sogar Poetry-Slam-Sieger 1998 in Hamburg - legt hier Texte "zwischen tödlichem Ernst und alberner Verspieltheit" (Klappentext) vor. Hier pulsiert der Geist der 60er Jahre in politischer & musikantischer Hinsicht (Engelke widmet sein Buch u.a. Lou Reed & Jim Morrison). Es handelt sich letztendlich allesamt um Satiren, die unser öffentli-ches & privates Zusammenleben veralbern. Und wenn er sich im Spannungsfeld zwischen "Marx und Engelske" bewegt, dann distanziert er sich auch rücksichtslos von jeglichen "verbalen Stinkbomben, literarischen Umwelt-verschmutzungen und bibliophilen Wort-Watschen." Das Elend der menschlichen Kommunikation wird in der Titelgeschichte auf den Punkt gebracht. Wir werden mit geballten Schnoddrig- & Respektlosigkeiten bombardiert, was man recht eindrucksvoll an einer Geschichte wie 'Der Grabredner' zu spüren bekommt.

     Fast schon pathetisch-kafkaesk wird es in einem Text wie 'Das Amt', wo jemand seine "Existenzberechtigung" beantragt - und erinnert nicht der Titel 'Die Verwandlung' ebenso an den skurrilen Meister?! Dabei geht die Geschichte 'Ich heiße nicht Rudi' noch viel tiefer & überspannt den Bogen zu Frischs 'Stiller'! Ganz raffiniert auch 'Die Umarmung'; eine kleine Preziose 'In vino veritas' (vgl. KULT 8/98). Engelke weicht keinem Thema aus, auch nicht dem für uns Deutsche am sensibelsten Gehandelten: 'Also, ich hab ja nix gegen Ausländer'. Oder die Demonstration, wie militant durchwachsen unser Wortschatz ist. Recht aufschlußreich der ausführliche Bericht 'Als Sprachsteller unterwegs', wo wir intensiv über die hellen & dunklen Seiten bei Lesungen informiert werden. Wie selbstironisch sind die Zeilen: "Das Ziel des Poeten könnte es sein, den Gebrauch der Wörter über-flüssig zu machen"?!  Wir wollen Engelke noch in all sei-ner Vehemenz genießen, ehe dieser Zustand womöglich eintritt, denn hier spricht ein Volksdichter.     KHS