KULT11

KULTregister

 

 

 

Y N H A L T

 

EDYTORYAL                                                              1

YMPRESSUM                                                            1

REFLEXYON                                                              2

Annäherungen an den Sernoldysm  (6)

FORUM                                                                     4

Dittmar Werner, Lebenswelt & Ästhetik

Wolfgang Schäfer, Quo vadis Undergrundus?

Andrea Diener, Literatur im Netz - Netzliteratur

PROSA                                                                    12

Jörg André Dahlmeyer, Haupt Stadt Fetzen

Michael Wenzel, Umsonst

Dirk Hülstrunk, Damals war alles wie neu

Hartmut T. Reliwette, Wir haben etwas für Sie

Ulrich Jösting, Der Fels

Gerd Peterknecht, Zu Besuch

TERjekte & proMINE                                                 20

FEUYLLETON                                                           22

Franz Staab, Eine scheinbar unscheinbare

Metamorphose

Melanie Pollinger, Ein Schreiber, der die Hirne schmiert

magVIEW

KHS, Autonomie in Reflexion & Praxis – PC (3)

LYRYK                                                                     34

Joachim Durrang, Wolfgang G. Fienhold, Günter

Fraunhofer, Ursula Heinze de Lorenzo, Wolfgang G. Herbolzheimer, Sela König, Maik Lippert, Jan Botho

Nagel, Markus Peters, Stefan T. Pinternagel, Ingeborg

Raus, Ewart Reder, Karl Seemann, Manfred Wieninger, Peter Würl

REZENSYONEN                                                       50

Zu: KHS, Heike-Wenig-Jahrbuch, MRR, Mario Andreotti, Dittmar Werner

QUYECKYES (Arnold, Bopp, Breuer, Bröker, Duncan, Engelke/Kuhn, Großmann, Günther, Hachmann,

Hübsch, Leifeld, Mehrtens, Pinternagel, Pundsack,

Reder, Schieke, Scholz, Stein, Wieninger

SERYE: 'Archetypen meiner Zeit'                              60

 

ICH  ECKE  AN

Günter Fraunhofer

 

Ich ecke an

Sehe nicht die Treffer

Zähle sie nicht mehr

 

Blessuren der Rhetorik

Wortwunden

Geschlagen von Zungen

 

Verweigere dich, Sprache

Auf den Wegen des Irrtums

Die Zunge als Degen zu nehmen

 

Laß uns die Mauern fliehen

Die den Unfrieden umschließen

Sich nur zur Sackgasse öffnen

 
 

HANDGESCHÖPFT  &  FATAL

Zu: Karl-Heinz Schreiber,

helicopter & symptome

(edition eigensinn, Mainaschaff 1998)

84 S., DM 30.-

 

     Der Lyriker, Kritiker und Essayist Karl-Heinz Schreiber aus Goldbach, Herausgeber der ambitionierten Literaturzeitschrift KULT, feierte im letzten Jahr seinen fünfzigsten Geburtstag und veröffentlichte erst kürzlich seinen Lyrikband "helicopter & symptome" bei edition eigensinn, der nicht nur interessant wegen seiner Aufmachung ist. Gegensätzlich das Buchcover aus handgeschöpftem, handgebundenen Papier aus Nepal zu den Gedichten, welche mit geometrischen Computergrafiken in s/w illustriert sind.

     Der Autor stellt fest, dass wir uns in auf Kommerzialität ausgerichteten gesellschaftlichen Mechanismen bewegen, die sich als Reizüberflutung herausstellen. Die Wahrnehmung wird förmlich ihren ursprünglichen Intentionen entfremdet und an der Beeinflussung des Menschen durch die Medien erkennt der Autor und findet in seinen Gedichten auch dafür den adäquaten Ausdruck, wie fragwürdig doch unsere Gesellschaft nur mehr an der Oberläche von dem existiert, was denn einst die wichtigen Grundwerte ausmachte und was sie uns bedeuten und wie wenig es uns doch noch möglich ist, uns in unserer Gestaltung unserer Umwelt auf sie zu berufen. Er will uns auch sagen, dass wir viel zu sehr einer Gegenwart vertrauen, die uns eine falsche, weil künstliche Emotionalität suggeriert, die deshalb nur eine scheinbare, letztlich unaufrichtige Emotionalität sein kann. Es ist die Verlorenheit - die Anonymität des Individuums, die uns Schreiber in seiner Lyrik begreiflich machen will. Deren Ausmaß sehen wir deshalb auch an der Sprache dieses Schriftstellers, weil er eben der einfachen, nicht kritisch reflektierten Wahrnehmung misstraut, wenn er sagt: "wie kompliziert / erscheint doch / alles neue / wie schüchtern / sind wir / auf der suche / kaum eine begründung / läßt uns mehr / genügend raum / zur immunität."

     Vor allem macht uns der Autor bewußt, dass die Wertevorstellungen, an denen wir uns orientieren, uns zum Nachteil geraten können und deswegen sehr fatal sind. Die Wirklichkeit ist ihm vielfach nur inszeniert.

     Schreiber redet uns ins Gewissen und lässt zudem deutlich werden, dass wir in unserem, wenn auch moralischen Handeln nach veränderten Prinzipien, nur ungewiss Aussicht auf Erfolg haben könnten. Zudem der Einzelne immer mehr in gesellschaftliche Gesamtzusammenhänge einvernommen wird und gar auch durch die kontrollierenden Funktionen in den gesellschaftlichen Bereichen eine wenn auch nur subjektiv in dieser Weise empfundene Kontrolle an sich wahrnimmt, wenn es in einem seiner Gedichte heisst: "erledigen sich erst / die menschen / dann werden die / probleme interpretiert / wo es zu  / erkennungsdienstlicher / philosophie / kommt ...

Insgesamt ein lesenswertes und zum Nachdenken anregendes Buch.          

Erich Czernoch