KULT12

KULTregister

 

EDYTORYAL                                                                         1

YMPRESSUM                                                                        1

 

TERMYNE                                                                             2

APPELL                                                                                 3

Waltraud Weiß, Mein Weihnachtswunsch für 2000

F O R U M                                                                              4

Hadayatullah Hübsch, Also du willst genau wissen

P R O S A                                                                              9

Frank Bröker, Entgiftet (Drauf & Dran)

Walter Jauernich, Eine Reise

Norbert Zankl, Außenwelt 15

FEUYLLETON                                                                     17

Raimund Samson, Ketzer der marxistischen Religion

Lutz Rathenow, Jürgen Fuchs

Franz Staab, Taubtrüber Ginst im Musenhain

Ewart Reder, Poetische Weltgerechtigkeit

PROJEKTE                                                                          27

KHS, Autonomie in Reflexion & Praxis (5)

L Y R Y K                                                                             31

Sara Armani, Marianne Gaponenko, Maik Lippert, Dieter P. Meier-Lenz, Andreas Noga, Markus Peters, Stefan T. Pinternagel, Lynne Rypdal, Josef Schenk, Alexander Scholz, Karl Seemann, Johann Vanecek, Manfred Wieninger, Barbara Zeizinger

REZENSYONEN                                                                  46

Zu: Karl-May-Lexikon, Marketing für Autoren, Ohne Punkt & Komma, Pop-Schamanismus, Märchenbuch für Manager, Ostermann niemand sonst, Meier-Lenz Sonntagsmörder, Pinternagel Türen

QUYECKYES                                                                      51

Zu: Bär, Bartel, Bergmann, Buntrock, Dietrich, Dittrich, Finke, Fraunhofer, Glassl, Max H!, Heins, Heinze de Lorenzo, Hülsmann, Käufer, Kamikaze, Kittelmann, Konecny, Müller-Wagner, Pundsack, Schönauer, Schweisthal, Seul, Stein, Wischnat

SERYE  'Archetypen meyner Zeyt'                                      56

 

Barbara Zeizinger

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WELCH  KOLOSSALER  POET!

Zu: Dieter P. Meier-Lenz, Der Sonntagsmörder

(Edition Literarischer Salon, Gießen 2000)

96 S., DM 28.-

     Von Anton G. Leitner in seiner Zeitschrift DAS GEDICHT in der 'Liste der deutschsprachigen Jahrhundertdichter' auf Platz 83 beordert, muß man fordern: wenn es denn so etwas wie eine Hitparade der Poeten geben müßte, dann gehört Meier-Lenz um Etliches weiter nach vorne! Dies dokumentieren auch nachhaltig die 35 neuen Gedichte in diesem Band der Autors & Herausgebers der horen (Jg. 1930) - mit einem Interludium von "10 der wichtigsten Prosastücke des Autors" (vgl. Prospekt).

     Die Formulierungen sind einfach kolossal, sie schwelgen in bizarren Bildern, katapultieren uns hinaus aus jeglicher Normalität. Diese Lyrik begeistert den Poesy-Liebhaber, weil sie fernab jeglicher appellativer Larmoyanz (wie sie zeitgenössisch so oft üblich ist) auf einem souveränen Grad handfester Sensibilität wandelt. Wortschatz & Themen offenbaren einen romantizistischen Realismus ("ein quasi-mond lügt"), in dem sich die Unbestechlichkeit wahrer Ästhetik dokumentiert. Meier-Lenz arbeitet an der Reduktion des Ausdrucks & entlang der Demarkationslinie der Absurdität: "die stille/fällt ins schweigen", wobei "schrecksekundenlang endlos" uns die Lebenslügen vergewaltigen, bis wir "am abend todnackt" sind. Und "ein luftschloß stürzt ins moor", wobei wir offensichtlich nur prophylaktisch existieren, "bis wir zurückfallen/in den windschatten/der einbildungen."

     Hier wird Existenz in situativen Reflexionen durchgespielt & wir "spielen mit/als narr in der maske/des menschen." Etliche Formulierungen beweisen auch, daß es nichts Ernsthafteres als die Ironie gibt: "durch das geschrei des gedichts/ist unser bach angeschwollen." Oder wenn Meier-Lenz sinniert: "wir haben die grammatik besiegt (...) und das alphabet abgeschafft" - sich aber nicht davon abhalten läßt, seine "silben gekittet mit utopien" weiterzuverbreiten. Oder sein 'Letztes Sonett' (genial!) das erste Drittel beschließt, das letzte Gedicht des Bandes allerdings den Titel 'Offen' trägt!

     Im Mittelteil die Prosa: herrlich absurdistische Spielchen mit dem Krimi-Genre. Hier hat einer die Leichtigkeit der Persiflage für sich entdeckt: der Sonnenaufgang ist eine Leiche & der Abend war der Mörder. Ach, die Texte sind zu gut bis ins Detail – daher gilt: absolutes Selbstlesemuß!     KHS