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EDYTORYAL 1
YMPRESSUM
1
REFLEXYON
2
Annäherungen an den Sernoldysm (7)
TERMYNE
4
SPECYAL
TEXT
5
HEL, Polydystychon fyr Schrybyr
FYR ANTHOLOGYSTENYKER
6
Anthologie 2000, Ausschauen, Das
ist meine Meinung, Das Traumkleid
, Der Lautsprecher, Erotikon,
Feldpost 2000, Gesicht zeigen gegen rechts
, Heiligabend mit Cher, Fantasie mit
Schneegestöber, Lyrische Annalen
, Maulkörbe,
Sinnflut, Social Beat Slam! Poetry, Zeitzeichen
EVERLASTING
NEWS
9
FORUM
10
Theo Breuer, Der Kritiker in der
Kritik
Alexander Scholz, Die Welt ist
eine Bühne
Hadayatullah Hübsch, Was für
Literatur . . .
Hartmut T. Reliwette, Verblüffte
Gebluffte
Ernst Umbach, Illusion und
Wirklichkeit
PROSSA
18
Frank Bröker, Zingua
Ulrich Degwitz, Blitzkrieg
Lutz Rathenow, Brecht muß sein
Sandbad Perser, Vita im Kaukasus
Michael Wenzel, Frags
Rolf Stolz, Rosen und Felder
FEUYLLE
& TONY
24
APHORHYSTHMYSCHES 32
Dietmar Füssel, Peter Huhn, Heinz
Stein
LYRYK
35
Manfred
Ach, Betti Fichtl, JanaJana, Maik Lippert, Jan Röhnert, Cordula
Scheel, Saza Schröder, Thomas
Schweisthal, Karl Seemann, Peter Würl
REZENSYONEN
46
Kultbücher, AnarchaFeminismus,
Durch die Wüste, Der Mann mit der
Plastiktasche, Die Welt der Finsternis, Borromäus, Schweiß & Träume,
Junkie-Ufer, Rindfleisch, Wie tränenlose
Ritter, Heiße Spur auf kaltem Eis
, Geißblattgeflüster, Bohemian
Confessions, Kamille, Brief aus Hamburg
, Am Abgrund aller guten Gründe,
Das Paradies ist deine Sache nicht,
Zucken im Abendland, Tagmond,
Leben ohne Leander, Kritzeleien,
Gebändigter Wahnsinn, Amoklauf
der Phantasie. Einsichten, Erdlich
Zinnoberrauschen
SERYE:
Archetypen meyner Zeyt 56
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Maik Lippert
Viertelmond
gehörnt
hängt dein haupt
in der eisluft
harrt
auf wiedergeburt
im rauchglas
des himmels
überm gewerbegebiet
hier wo es an hunden
fehlt
& schamanen
will ich dich wecken
mit salz in den händen
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EIN
FULMINANTES TROSTBUCH
Michaela
Seul, Leben ohne Leander
(Unrast-Verlag,
Münster 1999) 223 S., DM
34.-
Die Autorin (Jg. 1962) legt hier ihren zweiten Roman vor & sie
hat sich mindestens das zweitschwerste Thema ausgesucht: die Bewältigung
des Todes eines geliebten Menschen. Geschildert werden die Gedanken,
Empfindungen & Gesten von dem Moment an, als die Ich-Erzählerin Leila
den Tod ihres Lebenspartners Leander feststellt. Nach verhältnismäßig
kurzer Zeit schon sagt sie: "Der Tod war nichts Schreckliches mehr,
denn er begegnete mir in seiner Gestalt." Und in ihrer Erinnerung resümiert
sie: "Wir hatten unsere Liebe zur Erfüllung gelebt."
Das Buch zählt 150 Tage nach den Tod Leanders durch und zeigt den
Prozeß, den Leila durchleben muß. Bereits am 11. Tag sagt sie sich:
"Es gab noch etwas in mir, das wollte leben, egal ob mit Leander oder
ohne." Ab dem 27. Tag beginnt Leila mit Anatol, Leanders Freund, eine
Beziehung & ab dem 40. Tag schläft sie mit ihm. Am 50. Tag hatte
Leila "Lust zu ficken", aber Anatol "holte ein Buch und las
mir Rilke vor." (Und ich möchte behaupten, Rilke hätte nie das Wort
"ficken" verwendet!) Beginnt das Buch etwa ab hier komisch zu
werden? Am 61. Tag gesteht Anatol Leila seine Liebe. Am 75. Tag schläft
Leila mit Jens, einem anderen Freund Leanders. Am 142. Tag begreift Leila
Leanders Tod als wichtigen Wendepunkt für ihr Leben. Am 144. Tag verläßt
Anatol Leila, weil er Angst hat, an ihrer Seite zu "zerbrechen".
Leila stabilisiert sich beruflich & zieht in ein eigenes Haus. Was
sich äußerlich so banal liest, dokumentiert allerdings tiefschürfende
innere Prozesse.
Alles in allem: ein beeindruckendes Buch! Wie kann man diese Phase
des Loslösens so intensiv beschreiben? Muß man das etwa selbst erlebt
haben? (Doch hoffentlich nicht!) Ich war beim Lesen phasenweise tief
bewegt. Man liest manche Stellen mit Tränen in den Augen. Ich muß
Michaela Seul hier gratulieren: ihr ist ein großes Buch gelungen! Es ist
eine Kunst, aus diesem Stoff keinen Trivialschinken zu fabrizieren.
Michaela Seuls Sprache ist natürlich & spontan. Hier wird nicht
moralisiert oder gekünstelt. Hier handelt es sich um ein fulminantes
Trostbuch in ganz plausibler Diktion. Man fühlt sich ernstgenommen in
dieser Widersprüchlichkeit zwischen der Liebe zum verstorbenen Partner
& dem Kraftfindenmüssen zum Weiterleben, zwischen den nervigen &
den beglückenden Momenten der Zweisamkeit. Dies ist auch ein großes Buch
über die Liebe & die Selbstfindung.
Das vorliegende Buch zeigt im 'Prolog' die Szene, wie Leila den
toten Leander in der Wohnung vorfindet - im 'Epilog' besucht sie mit ihrer
Schwester erstmals Leanders Grab, das aber nicht sie, sondern ihre
Schwester auf dem großen Friedhof findet. Und man sieht am Detail, wie
eng im menschlichen Leben Trauer & Komik zusammenhängen, wenn Leila
ihrer Schwester die Geschichte der zurückliegenden 150 Tage am Grab
Leanders erzählt - und sie "dauerte drei Stunden und fünft
Packungen Taschentücher." Danke, Michaela, für dieses Buch!
KHS
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