KULT13

KULTregister

 

 

EDYTORYAL                                                                                1

YMPRESSUM                                                                               1

 

REFLEXYON                                                                                2

Annäherungen an den Sernoldysm  (7)

TERMYNE                                                                                    4

SPECYAL  TEXT                                                                          5

HEL, Polydystychon fyr Schrybyr

FYR  ANTHOLOGYSTENYKER                                                  6

Anthologie 2000, Ausschauen, Das ist meine Meinung, Das Traumkleid , Der Lautsprecher, Erotikon, Feldpost 2000, Gesicht zeigen gegen rechts , Heiligabend mit Cher, Fantasie mit Schneegestöber, Lyrische Annalen , Maulkörbe, Sinnflut, Social Beat Slam! Poetry, Zeitzeichen

EVERLASTING  NEWS                                                                9

FORUM                                                                            10

Theo Breuer, Der Kritiker in der Kritik

Alexander Scholz, Die Welt ist eine Bühne

Hadayatullah Hübsch, Was für Literatur . . .

Hartmut T. Reliwette, Verblüffte Gebluffte

Ernst Umbach, Illusion und Wirklichkeit

PROSSA                                                                                     18

Frank Bröker, Zingua

Ulrich Degwitz, Blitzkrieg

Lutz Rathenow, Brecht muß sein

Sandbad Perser, Vita im Kaukasus

Michael Wenzel, Frags

Rolf Stolz, Rosen und Felder

FEUYLLE  &  TONY                                                                   24

APHORHYSTHMYSCHES                                                         32

Dietmar Füssel, Peter Huhn, Heinz Stein

LYRYK                                                                                        35

Manfred Ach, Betti Fichtl, JanaJana, Maik Lippert, Jan Röhnert, Cordula Scheel, Saza Schröder, Thomas Schweisthal, Karl Seemann, Peter Würl

REZENSYONEN                                                                         46

Kultbücher, AnarchaFeminismus, Durch die Wüste, Der Mann mit der Plastiktasche, Die Welt der Finsternis, Borromäus, Schweiß & Träume, Junkie-Ufer, Rindfleisch, Wie tränenlose Ritter, Heiße Spur auf kaltem Eis , Geißblattgeflüster, Bohemian Confessions, Kamille, Brief aus Hamburg , Am Abgrund aller guten Gründe, Das Paradies ist deine Sache nicht, Zucken im Abendland, Tagmond, Leben ohne Leander, Kritzeleien, Gebändigter Wahnsinn, Amoklauf der Phantasie. Einsichten, Erdlich Zinnoberrauschen

SERYE: Archetypen meyner Zeyt                                            56

 

 

Maik Lippert

Viertelmond  

gehörnt

hängt dein haupt

in der eisluft

harrt

auf wiedergeburt

im rauchglas

des himmels

überm gewerbegebiet

hier wo es an hunden fehlt

& schamanen

will ich dich wecken

mit salz in den händen

 
 

EIN  FULMINANTES  TROSTBUCH

Michaela Seul, Leben ohne Leander

(Unrast-Verlag, Münster 1999)  223 S., DM 34.-

     Die Autorin (Jg. 1962) legt hier ihren zweiten Roman vor & sie hat sich mindestens das zweitschwerste Thema ausgesucht: die Bewältigung des Todes eines geliebten Menschen. Geschildert werden die Gedanken, Empfindungen & Gesten von dem Moment an, als die Ich-Erzählerin Leila den Tod ihres Lebenspartners Leander feststellt. Nach verhältnismäßig kurzer Zeit schon sagt sie: "Der Tod war nichts Schreckliches mehr, denn er begegnete mir in seiner Gestalt." Und in ihrer Erinnerung resümiert sie: "Wir hatten unsere Liebe zur Erfüllung gelebt."

     Das Buch zählt 150 Tage nach den Tod Leanders durch und zeigt den Prozeß, den Leila durchleben muß. Bereits am 11. Tag sagt sie sich: "Es gab noch etwas in mir, das wollte leben, egal ob mit Leander oder ohne." Ab dem 27. Tag beginnt Leila mit Anatol, Leanders Freund, eine Beziehung & ab dem 40. Tag schläft sie mit ihm. Am 50. Tag hatte Leila "Lust zu ficken", aber Anatol "holte ein Buch und las mir Rilke vor." (Und ich möchte behaupten, Rilke hätte nie das Wort "ficken" verwendet!) Beginnt das Buch etwa ab hier komisch zu werden? Am 61. Tag gesteht Anatol Leila seine Liebe. Am 75. Tag schläft Leila mit Jens, einem anderen Freund Leanders. Am 142. Tag begreift Leila Leanders Tod als wichtigen Wendepunkt für ihr Leben. Am 144. Tag verläßt Anatol Leila, weil er Angst hat, an ihrer Seite zu "zerbrechen". Leila stabilisiert sich beruflich & zieht in ein eigenes Haus. Was sich äußerlich so banal liest, dokumentiert allerdings tiefschürfende innere Prozesse.

     Alles in allem: ein beeindruckendes Buch! Wie kann man diese Phase des Loslösens so intensiv beschreiben? Muß man das etwa selbst erlebt haben? (Doch hoffentlich nicht!) Ich war beim Lesen phasenweise tief bewegt. Man liest manche Stellen mit Tränen in den Augen. Ich muß Michaela Seul hier gratulieren: ihr ist ein großes Buch gelungen! Es ist eine Kunst, aus diesem Stoff keinen Trivialschinken zu fabrizieren. Michaela Seuls Sprache ist natürlich & spontan. Hier wird nicht moralisiert oder gekünstelt. Hier handelt es sich um ein fulminantes Trostbuch in ganz plausibler Diktion. Man fühlt sich ernstgenommen in dieser Widersprüchlichkeit zwischen der Liebe zum verstorbenen Partner & dem Kraftfindenmüssen zum Weiterleben, zwischen den nervigen & den beglückenden Momenten der Zweisamkeit. Dies ist auch ein großes Buch über die Liebe & die Selbstfindung.

     Das vorliegende Buch zeigt im 'Prolog' die Szene, wie Leila den toten Leander in der Wohnung vorfindet - im 'Epilog' besucht sie mit ihrer Schwester erstmals Leanders Grab, das aber nicht sie, sondern ihre Schwester auf dem großen Friedhof findet. Und man sieht am Detail, wie eng im menschlichen Leben Trauer & Komik zusammenhängen, wenn Leila ihrer Schwester die Geschichte der zurückliegenden 150 Tage am Grab Leanders erzählt - und sie "dauerte drei Stunden und fünft Packungen Taschentücher." Danke, Michaela, für dieses Buch!       KHS