KULT16

KULTregister

 

 

 

 

EDYTORYAL                                                                       01

YMPRESSUM                                                                      01

FORUM                                                                                02

Karl-Heinz Schreiber, Die ästhetische Menschwerdung

Marco Abrarov, Nietzsches Zarathustra

SPECYAL  TEXT                                                                 09

Frank Bröker, Amerika-Traumbuch

FYR  ANTHOLOGYSTENYKER                                          12

Ein leises Du, Rem-Phase Master-Cut, Weltbilder

Kosmopolitania, Maskenball, Aufschrei, Erlkönig & Co.

FEUYLLE & TONY  1                                                          14

AUDYO                                                                                16

Peter Würl

PROSSA                                                                              18

Siggi Liersch, Liebesgeschichte / Markus Peters, Adam

und Eva / Boris Sczepanek, Britt brannte / Ulrich Degwitz,

Zwei schweigsame Männer / Rolf Stolz, Der Putsch /

Ulrich Jösting, Ich bestatte ein Eichhörnchen / Matthias

Burki, Die sieben Gebrechen der modernen Menschheit /

Manfred Wieninger, Eine Weihnachtsgeschichte / Augusta

Laar, Party/Change the game / Kristine Greßhöner, Prager

Postkarten an meinen Mann, von dem ich weiß, daß er nur

ein Knabe ist

FEUYLLE & TONY  2                                                          28

LYRYK                                                                                 35

Tonia Damm, Bernd Giehl, Marianne Glaßer, Axel

Klingenberg, Jürgen Landt, Jan Oberländer, Peter

Rosner, Kerstin Rose Schlageter, Thomas Schweisthal,

Peter Würl

REZENSYONEN                                                                46

Theory: Über Literaturkritik, Ästhetische Mobilmachung,

Rocklexikon Deutschland

Lyryk: Das betretene Schweigen, An den Schläfen der

Erde, Jenseits des Kommas, Nachtbläue, Meine Waffe

ist ein Sonnenuntergang, Die Formation fliehender Tage,

Kleiderfarben, was bin ich, Der Mondesammler, Zeichen

in die Nacht

Prosa: Jukebox BRD, Ohne Amok, Freund, Operation

Neonamerika, Keine Regeln für Sina, Halbseidene Helden,

Stadt der tausend Feuer, Außer Reichweite, Studienzeit

mit Pannen, Pfreimdwärts, Herr Autiteur Grabbe, Die

Nackte-Fakten-Show

magVIEW                                                                             55

ARTYSTEN                                                                           56

 

LITERATUR  FÜR  MENSCHEN

Necati Mert (Hg.), Weltbilder Kosmopolitania

(Die Brücke, Saarbrücken 2002) 128 S., Euro 13.-

     Diese Anthologie ist das Ergebnis eines Lyrik- & Graphikwettbewerbs - vertreten sind 56 Autorinnen & Autoren sowie 6 Graphiker. Dabei sind auch Autoren, die man aus langjähriger Brücke-Lektüre kennt, wie Horst Bingel, Verena Blecher, Ingo Cesaro, Karl Feldkamp, Wolfgang G. Fienhold, Hadayatullah Hübsch, Martin Kirchhoff, Walter Landin, KHS, Karl Seemann, HEL & Ron Winkler. Im Vorwort beschreibt Niki Eideneier die Idee der Aktion: " . . . wie es möglich sein könnte, Mensch zu sein und Mensch zu bleiben in dieser EINEN Welt, und was die Literatur mit ihren Aussagen dazu leisten könnte." Die Texte bewegen sich im Spannungsfeld Fanatismus-Ästhetik-Vernunft. Letztendlich geht es um die gemeinsame, friedliche Existenz von uns Menschen in dieser vorhandenen Welt. Wir können uns den Planeten & die dazugehörigen Menschen nicht aussuchen - aber wir können die Art unseres Zusammenlebens bewußt gestalten.

     Eine Anthologie, die den Kompromiß dokumentiert zwischen Engagement & Pathos, Verzweiflung & Hoffnung, Idealismus & Realitätssinn. Eigentlich steht diese Anthologie in der Tradition & Verpflichtung von Friedrich Schillers 'Ästhetischer Erziehung'! Die heftigste Zeile steht wohl gleich ziemlich am Anfang: als "Religionen gott erschlugen" (Dieter J. Baumgart) - wahrscheinlich hätte der Mensch darauf verzichten sollen, Gott zu erfinden?! Viele Texte sind im Schiller'schen Sinn sentimentalisch & oft eine Spur zu pathetisch - manches bleibt andererseits zu lapidar-prosaisch. Im Prinzip soll ja wohl die Grundstimmung appellativ sein - damit der Satz von Molla Demirel gültig werde: "Wie schön es ist/als Mensch geboren."     KHS

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DEUTSCHES  ROCK  -  SCHWERES  ROCK

Christian Graf, Rocklexikon Deutschland

(Lexikon Imprint Verlag, Berlin 2002) 444 S., € 24,90

     Über 700 "deutsche" Bands - "gesellschaftsfähig und international konkurrenzfähig" (Klappentext) - Elektro, Kraut, Punk, Heavy - sind hier verzeichnet & lexikalisch verarbeitet. Allerdings darf wohl die echte knallharte internationale Konkurrenzfähigkeit deutscher Bands eher wohltätig belächelt werden - wer außer den Scorpions, die fast schon ins Fahrwasser von Deep Purple gerieten, bis sie zur 'Winds-of-change'-Schnulzencombo degenerierten, hat denn wirklich authentischen Rockstatus außerhalb Deutschlands erlangen dürfen?! Der deutsche Rock braucht kein Mitleid, aber er ist eben hausbackener als die Musik aus GB, USA & etlichen anderen Ländern! Und deutsch gesungener Rock klingt oft zu gequält pathetisch oder albern. Ich behaupte: wenn Herbert Grönemeyer englisch sänge, hätte er international 5x mehr Erfolg! Andererseits hat Deutschland eben keine Band wie Metallica (Norwegen) oder AC/DC (Australien) hervorgebracht - Deutschland schaffte nichtmal ne Gruppe wie ABBA (Schweden).

     Woran es im deutschen Rock krankt, kann man erfühlen, wenn man hier etwa liest, daß ein gewisser Stefan Zauner - verspätetes Mitglied der Apo-Kult-Band 'Amon-Düül II' - die Schlagertruppe 'Müncher Freiheit' mitbegründete! Im deutschen Rock fehlt's ganz einfach an Authentizität & Konstanz. Trauriges aktuelles Beispiel dafür sind die 'Toten Hosen' - von der Kotzekelpunkband sind die mutiert zur talkschowkompatiblen Betroffenheitspseudopunk-AG, deren Anti-'Bayern'-Attitüde kaum noch originell ist.

     Das Dilemma ist im vorliegenden Fall: ein Lexikon muß per definitionem sachlich neutral auflisten & erläutern. Manchmal wünscht man sich statt der nivellierenden alphabetischen Toleranz eine qualitative Gewichtung - immerhin klingt eine solche in vereinzelten Formulierungen ("Man kann sicherlich darüber streiten, ob . . .) zumindest an. Grundsätzlich ist es für den etwas älter gedienten Rockfan ja auch schön, etwas über frühere Bands wie Can, Faust, Guru guru, Hölderlin, Jane, Jeronimo, Novalis oder Wallenstein zu lesen - das ist Nostalgie & Bedauern, daß solche Ansätze sich nicht längerfristig durchgeboxt haben. Stattdessen mußten wir mit den Rattles & Drafi Deutscher herumhopsen. Man könnte fragen, warum hier etwa ein gewisser Uwe Ochsenknecht oder Lucilectric auftauchen - man könnte fordern, daß Bands wie Böhse Onkelz oder Rammstein gegenüber Floh de Cologne & Ton Steine Scherben stärker polarisiert werden - oder warum zu viele Provinz- & Feierabendbands Erwähnung verdienen?! Manchmal würden auch graphische Darstellungen helfen, Werdegang, Wechsel, Austausch & Gründungsgebaren wichtiger Musiker besser nachvollziehen zu können. Übrigens sind die Fotos im Mittelteil manchmal richtig putzig - man muß die Leute einfach mögen, so lieb-protestlerisch haben sie ausgeschaut.

     Grundsätzlich ein notwendig-nützliches Kompendium, das bei einer Neuauflage aber an der Gewichtung der Relevanz etlicher "Rocker" arbeiten sollte - denn es heißt nun mal "Rock-Lexikon & nicht jede Provinzband muß unbedingt erwähnt werden - sicherlich ließe sich der ernsthafte Bestand deutscher Rockbands etwa bei 250 einpendeln.  KHS