KULT17

KULTregister

Graphyk dyser Ausgabe:

Thomas Trey

 

EDYTORYAL                                                                              01

YMPRESSUM                                                                             01

FORUM                                                                                       02

Gudix, Didi und Gogo und die Negation von Nihilismus

Manfred Wieninger, Die verschwundene Gedenktafel

Günter Fraunhofer, De Seneca - Über Seneca

SPECYAL TEXT                                                                         09

Alfred Zoppelt, Gedichte

FEUYLLE & TONY  1                                                                  11

Ralf Otto Lang, Literarischer 'casus belli'

FYR ANTHOLOGYSTENYKER                                                  15

Zeilenweise, Mailart Helgoland, Das Gedicht, Sterbehilfe

Gesicht zeigen gegen Rechts, Leben, Kriegszeit

PROSSA                                                                                     18

Marco Abrarov, Verhaftet / Verena Blecher, Inferno /

Fred Bous, Die Stadt / Simak Büchel, Milaneser Tauben /

Jens Neuling, Betrachtungsweise?! / Rüdiger Saß,

Extramann / Andreas Schmitt, Russen / Dieter Walter,

Der Hunde-Sohn / Reinhild Paarmann, 32. Inkarnation:

Rom/Italien / Sugar Ray, Laetitia & Blues

centerOPST                                                                                28

Barbara Zeizinger, Maik Lippert, Gerd Peterknecht,

Günter Fraunhofer, Norbert Zankl

FEUYLLE & TONY  2                                                                  30

Das Besondere Buch, magVIEW

LYRYK                                                                                        35

Theo Breuer, Dietmar Füssel, JanaJana, Knut Gerwers

Dieter P. Meier-Lenz, Ingeborg Raus, Hartmut T.

Reliwette, Jürgen Völkert-Marten, Dittmar Werner

REZENSYONEN                                                                         46

Theory: Krieg ist Frieden, Der Traum der Vernunft, Le

Meurtre du Pasteur, Der Einzige und das Nichts,

Lyryk: Die entschuppte Nachtigall, Die Geschwindigkeit

der Stunden, Falkner bis Grün dich durchwächst, Unter dem

roten Mond, Eiswolken Moos Sieben, Schilfgang, So unmenschlich menschlich, Monolith, Wenn der Südwind

weht, patricius mein edler herr, Cogitative Erotik, Die

Fünfzig, Das RR Projekt, Leg die Schatten weg, Crome

Achtelnoten, schneeblende, ex oriente luxus, Im Atem

des Windes, Ende der Saison,

Prossa: Absurd, Sisyphos, Hypochondrium, Geschlossene

Station, Die Wandertauben zählen

ARTYSTEN                                                                                 56

Birgit Ohlsen, Die Zeilen ändern sich                                          57  

 

POETISCHES  HOCHVERGNÜGEN

Lutz Rathenow, Die Fünfzig. Gedichte

(Landpresse-Verlag, Weilerswist 2002) 78 S., € 13.-

     Der Titel verweist auf den 50. Geburtstag des Autors (Jg. 1952) & darauf, daß hier 25 ältere & 25 sehr neue Gedichte "vereint" werden - Rathenow nennt es ironisch sein "Vereinigungsbuch" (vgl. Nachbemerkungen 'Was ich noch dichten wollte'). In seinen 'Notizen zur Lyrik' im Teil III spricht Rathenow vom "Augenblick fröhlichen Erschreckens", wenn ein Gedicht gelingt - & er radikalisiert seine Poetik: "Jedes Gedicht sollte das erste Gedicht sein." Interessant auch die Feststellung, die DDR-Zensur "sensibilisierte gegenüber vorgegebenen Sprachmustern", sie "förderte (die) sprachliche Subtilität." Da wünschen wir uns doch für viele unserer Möchtegernautoren eine ordentliche Zensur!

     Schockeffekt: das erste Gedicht trägt den Titel 'Am Grab' - selten wurde das Thema Tod so einfühlsam, schlicht & eindrucksvoll zugleich behandelt: ein enkel am Grabe seines Großvaters - ein Gedicht fürs Schulbuch! Auch der letzte Text 'Geborgenheot' handelt vom Tod - eine sehr raffinierte Methode damit umzugehen: das lyrische Ich wirft seinen Sarg in den Fluß & geht selbst "gegen den Strom". Rathenow sprüht vor Pointen: "Eine blume/Fünf Minuten, ein Gedicht/über sie. Sagt der Dichter/und drückt die Stoppuhr/Wütend wächst die Blume/aus dem Papier und prügelt/den Dichter, stark duftend." Und wie kaum ein anderer laviert der Autor so dramatisch zwischen Lyrik & Prosa, daß eine gattungspuristische Unterscheidung fast schon kleingeistig erscheint. Tragik & Komik heben einander auf - lassen einander allerdings auch notwendig erscheinen: "Der Weihnachtsmann (...) schluchzt über die Kinder/Weil die so lieb sind, ihn trösten/und eine Zigarette anbieten. Die/klauten sie ihrer Mutter, damit/sie weniger raucht." Rathenow wird konkret, er kombiniert Metaphern & Handlung, Selbstgespräch & Reminiszenz so selbstverständlich, daß die Gedichte durch diese poetische Symbiose wirklich spannend werden - & das in mehrfacher Hinsicht: inhaltlich, sprachlich, symbolisch.

     Rathenow deckt sehr überraschende Zusammenhänge auf (etwa übers Beten: "einfach zerdrücken/die Zweifel/zwischen gefalteten Händen") - & er kann absurd sein bis an die Grenze der Albernheit ("das Durcheinander kommt durcheinander"). Ach, es ist ein poetisches Hochvergnügen diese Texte zu lesen!       KHS