KULT20

KULTregister

Graphyk dyser Ausgabe:

Andrea Lederer

 

YNTRO                                                                                 01

FORUM                                                                                02

Max Holon: Kassiber

Kai Engelke: Aus altem Wissen lernen

Dieter P. Meier-Lenz: Politische Landschaft

rezyPOLYTYK                                                                     06

Das andere wollen, Linke Signale, Globalisierung der Welt,

Nicht abzuwimmeln, Dialog der Kulturen

Fyr Anthologystenyker                                                  10

L y t e r a t ü r                                                        13

Claus Schwarz, Hadayatullah Hübsch, Saza Schröder,

Tobias Falberg, Dittmar Werner, Uwe Pfeiffer, Fernand Hörner

rezyPROSSA                                                                        23

Macht & Begierde, Penetrant puddelig, Abgefahrene Parabeln,

Morbide Lust, Frauen Schicksale, Absurdität zum Staunen,

Anarchistisch schmunzeln, Seelen, Unaufdringlich betroffen,

Problematisch unterhaltsam, Verspieltes Risiko

CENTER                                                                                  28

Werner Zorn: Aphorismen - Rely-Rezy

rezyLYRYK                                                                             30

Seelenbegründungen, Die Poesie hinter der Poesie,

Großstadt-R&B, Lyrisches Medium, Poetische Bilanz,

Sehr tastend zu erlesen, Vermutlich experimentell, Talent,

Freies Spiel, Herzensauthentizität

SPECYAL TEXT                                                                     34

Werner Saemann: "Heiliger Krieg"

F R A N K E N                                                                         35

H. Jürgen Heimrich: Ein (un)vergessener Dichter aus Franken?

Kurt Karl Doberer zum Hundersten

L y t e r a t ü r  2                                                  38

Lutz Rathenow, Peter Würl, Marc Starzynski, Andreas Wieland

Freund, Willi van Hengel, Manfred Manger

rezyKÜLTÜR                                                                          46

Von Abbud bis Zubairi, Heiliges Trinken, Die Rechts-Hauruck-

Schreibreform, Wo man summt, Whole lotta Zeppelin!

L y t e r a t ü r  3                                                   48

Ulrich Bergmann, Marc Mrosk, Markus K. Korb

rezyLEBENSHYLFE                                                              54

Heilende Poesie, Zusammensein, Selbst vertrauen

Los Artystos                                                        56

 

politische landschaft

 Dieter P. Meier-Lenz

 

wahlkampfplakate

haben große münder

wie kloaken

aus ihnen eruptiert

rhythmisch vanillesoße

auf die arbeitslosen

 

die bildschirme

sind zugeschneit

mit ausgehöhlten vokabeln

der meinungszuhälter

 

im bundestag hängt

rosige götterspeise

in stalagtiten herunter

der adler legt ein ei

aus größenwahn

 

ein politiker 

joggt als chamäleon vorbei

 

die augendiebe und wortganoven

überschreiten die

schamgrenze

 

 

GLOBALISIERUNG DER WELT

Torsten Bewernitz, global x -

Kritik, Stand und Perspektiven der

Antiglobalisierungsbewegung

(Unrast-Verlag, Münster 2002) 205 s., € 14.-

     Bewernitz (Jg. 1976) ist engagiert in Antiglobalisierungskampagnien, er präsentiert in seinem Buch "die Anfänge der Antiglobalisierungsbewegung . . . diagnostiziert den Aufstand der EZLN (= Zapatistische Befreiungsarmee Mexikos), die Verhandlungen zum MAI (Multilaterales Abkommen über Investitionen) & die Proteste in Seattle 1999 als die 'Gründungsmythen' dieser Bewegung, um im Anschluß die aktuelle Situation & die Perspektiven einer Antiglobalisierungsbewegung zu beschreiben und zu bewerten" (Klappentext). Das Buch ist sehr pragmatisch gegliedert & bietet einen sehr ausführlichen Informationsteil (weiterführende Literatur, Adressen von Initiativen etc.).

     In seinem Vorwort verweist Bewernitz darauf, daß die Globalisierungsgegner ihre Wurzeln in der traditionellen Linken & neueren sozialen Bewegungen haben. Globalisierung wird v.a. definiert als weltumspannende Marktwirtschaft. Dazu gehören auch die politischen, militärischen, ökologischen & kulturellen Komponenten. Der Neoliberalismus basiert (angeblich) auf der Freiheit der Produktion & des Handels. Mit der Eigenverantwortlichkeit des Individuums geht der Abbau des Sozialstaats einher. Bewernitz stellt Institutionen & Veranstaltungen der Globalisierung vor - u.a. den IWF (Internationaler Währungsfond), die Weltbank, die WTO (Welthandels-Organisation), die OECD (Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) sowie die UN (United Nations).

     Die sogenannten "GründungsmytAen der Antiglobalisierungsbewegung"werden im 2. Teil genauer beschrieben. Verzwickt wird die Protesthaltung gegen die Globalisierung, wenn es um die Frage geht, ob dabei nicht die Nationalstaaten zerstört werden - hier melden sich nämlich auch Rechtsradikale zu Wort - es findet die Transformation in den "nationalen Wettbewerbsstaat" (Joachim Hirsch) statt.

     Wichtig ist wohl v.a. der Teil 3, in dem 'Stand und Perspektiven der Antiglobalisierungsbewegung' analysiert werden. Der kapitalistischen Globalisierung wird die Forderung nach einer "Globalisierung von unten" (Maria Mies) entgegengestellt - wobei Bewernitz vor einer positiven Besetzung des Begriffs "Globalisierung" warnt, um ihn nicht mit dem Begriff "Internationalismus" zu vermengen. Überdies handle es sich bestenfalls um eine "Bewegung der Bewegungen" (Bewernitz), in der unterschiedliche Initiativen je nach Anlaß zusammenkommen: Antirassismus, Feminismus, Pazifismus, Ökologie etc. Aufgrund der Heterogenität der Gruppierungen von radikal bis reformistisch wird auch die Wirksamkeit des Protests in Frage gestellt.

     Bewernitz ist ganz Pragmatiker, wenn er abrundend 'Perspektiven eines Widerstandes gegen die Globalisierung' aufzeigt. Der Widerstand gegen die ökonomische Globalisierung solle sich positiv als "Bewegung für ein solidarisches Sozialsystem und einen intensiven Umweltschutz" verstehen. Intensive Medienarbeit sei vonnöten & die Gewerkschaften sollten in einer neuen historischen Rolle in die Pflicht genommen werden. Zu bemängeln sei ein fehlender breiterer positiver Grundkonsens sowie mangelnde lokale Verankerung.

     Damit einher geht die Forderung nach fundierter Theoriebildung & weltweiter Vernetzung. Globalisierung der Globalisierungskritik? Ja doch! Bewernitz ist Realist & sieht ein, daß wohl die Globalisierung nicht mehr rückgängig zu machen sein wird - also hilft nur eine positive Strategie für eine gerechte Welt - "Der Mut zur Utopie . . . muß wieder Bestandteil einer linken, sozialen Bewegung werden.." Die Welt wird endgültig global - also muß unser Bewußtsein auch global werden! Solche Bücher helfen uns dabei, konkreter & konzentrierter zu argumentieren.     KS