KULT21

KULTregister

 

Graphyk dyser Ausgabe:

Matthias Kraus

 

YNTRO                                                                                             01

FORUM                                                                                            02

Max Holon: Montagsfeiern statt Montagsdemos

Canady: Die zweigeteilte Gesellschaft

Wilfried Meyer: Zur Diskussion um die Abtreibung

rezyYDEOLOGY                                                                            06

Die Kinder von Guernica, Faschismus in Texten und Medien,

Der Islam - eine Kulturgeschichte, Wahnsinnig genial, Alles Pop?,

Zeitenwende - Politik nach dem Neoliberalismus

SPECYAL TEXT                                                                      10

Fernand Hörner, Mytnychten wychtyg

L y t e r ä t ü r                                                                                 12

Thom Krüger, Markus Prem, Marc Mrosk, Rüdiger Saß,

Hans-Jürgen Hilbig, Armin Steigenberger, Alexandra Friedmann

JUBYLÄUM                                                                                    24

Michael Bloeck, Kai Engelke, Wolfgang g. Fienhold, Dieter P.

Meier-Lenz, Marc Mrosk, Ewart Reder, Hartmut t. Reliwette,

Rüdiger Saß, Heinz Stein, Thomas Schweisthal, Jochen König,

Raimund Samson, Carmen Caputo  

rezyANTHO                                                                                    33

Grün, Ausblick, Axt, Phantastik

rezyPROSSA                                                                                  34

Bißwunden, Schattenhändler, Karin, Umbruch, Leben, Symmetrie,

Meerschwimmer

AUDYO                                                                                             38

Ratz, Krankekunstverlag

L y t e r ä t ü r                                                                                 40

Joe Witek, Jürgen Landt, Dieter Walter, Siggi Liersch, Clemens

Schittko, dieter P. Meier-Lenz

rezyLYRYK                                                                                     48

Ende des Klagens, Zählen aus dem Leben, Persönlich, Der Tag,

Ich bin, Zeitlupe, Durch die Welt, Himmel, 88 Rätsel, Köchinnen,

Antrobus, Im Meer spazieren, Pferd im See

rezyKÜLTÜR                                             54

Uschtrin, Afrika, AC/DC

Los Artystos                                                                                  56

 

ne Rely-Rezy: http://www.k-netz.de/forum/showtopic.php?threadid=59

Interessanterweise feiert auch herzGalopp sein 10-Jähriges: Im Mai 1995 erschien die Ausgabe # 1!

Und so habe ich denn eine Collage (basierend auf einer Zeichnung) gefertigt, die beide Jubi-läen feiert - wie es sich für echte Poeten & Kämpfer gehört (: Wie ich finde).

Natürlich ist das höchst fragwürdig. Kann man denn überhaupt?, & so ...

ich glaube, ich werde sogar der Bitte um "Schmeycheleynheyten" gerecht. (Hahaha)

Kult ist Kult, & herzGalopp ist auch Kult (für einige treue LeserInnen & Autoren)

oder so ähnlich

      Es grüßt der Mann aus HH-Wilhelmsburg     Raim&

 

Carmen Caputo

Ich zeige dir

einen Menschen...

 

ein Dorf

einen Menschen

 

da ist kein Falte kein Alter

keine Sünde die zu besingen wäre

nur ein Herz groß und weit

zugeschnitten auf Maß

eine Spiegelung zweier Liebenden

in seiner Mitte blühendes Leben

unberührt vom Schweiß vieler Sommer

ungeschlürft der Kaffee mit Nachbarn

auch den Wein den es niemals trank

blieb ungewechselt

wie der Dorfklatsch am Zaun

 

Und ich sage dir

das ist ein Mensch der KULT liest.

 

 

Dem Karly einen Hymnus schreiben?

Kai Engelke

     Nichts leichter, als das! Ist er doch eine einzigartige Erscheinung, alles andere, als austauschbar, ein originelles Original eben. Verfasser von Lyrik und Prosa, Romanen und Kurzgeschichten, Essays und Pamphleten, Rezensionen und Polemiken, und ein Mensch ist er auch noch. Und Lehrer. Und Vortragskünstler. Und Sänger. Und Festivalmitveranstalter. Und Herausgeber. Und Zeitschriftenmacher. Und Mensch, aber das sagte ich bereits.

     Wie kann einer allein das alles sein? Karly kann´s, weil er ein Urviech in des Wortes edelster Bedeutung ist. Ein bayerisches Kraftpaket mit integriertem Turbogenerator.

     Doch Vorsicht!, möchte man ihm schon manchmal zurufen, übertreib es nicht! Auch Kraftbolzen brauchen zwischendurch mal Phasen der Ruhe, sonst laufen sie heiß, und es gibt irgendwann ein böses Erwachen. Ihn scheint´s nicht zu kümmern: zuwenig Zeit für zu viele Ideen, Projekte, Pläne. Karlyce ist wahrscheinlich einer, der mehrere Leben benötigte, um alles zu verwirklichen, was er für wichtig und lustvoll und nötig erachtet. Er hätte Katze werden sollen, die verfügen ja angeblich über sieben Leben. Ach, vermutlich hätten für Karly auch sieben Leben nicht ausgereicht. Und so packt er sein eines Leben bis zum Überlaufen voll mit energiegeladener Diesseitigkeit.

     So ist er halt - und wer wollte (und könnte) ihn ändern?

     Wir kannten uns schon ein paar Jahre aus der Ferne, bis wir uns vor ca. zwei Jahren erstmals bei Reli im Labyrinth (Festival der Poesie) leibhaftig gegenüber standen. Ja, so hatte ich ihn mir durchaus vorgestellt, na ja, ein bisschen schmaler vielleicht. Nur seine Stimme, dieses gewaltige Organ, das jede Verstärkung überflüssig macht, die kannte ich noch nicht. Aber sie passte durchaus in mein Bild von ihm.

     Und danken möchte ich ihm, dass er  - hunderte Kilometer entfernt – mich auf den verrückten Reliwette aufmerksam machte („Fahr doch da endlich mal hin! Ihr habt viele Gemeinsamkeiten. Wirst schon sehen!“). Der lebt nämlich schon seit tausend Jahren nur zwanzig Kilometer weiter, und ich hatte es noch immer nicht richtig mitbekommen. Inzwischen verbindet uns eine herzliche Freundschaft. Das ist auch eine von Karlys hervorragenden Eigenschaften: Gleichgesinnte zusammenzuführen. Lasst uns also gemeinsam weiter an unserem Netzwerk knüpfen.

     Was soll ich dem Karly wünschen? Dass er so bleibt, wie er ist, dass ihm mit KULT nicht der Atem ausgeht - schließlich handelt es sich um das letzte Poesy-Chaotykum der Republyk  - und dass er zwischendurch doch mal halblang macht, von mir aus ganz heimlich, braucht ja keiner mitzukriegen.      

 

 

 

nach

10

jahren

macht

man sych

schon

so

seyne

gedanken

was

wäre

wenn

es

KULT

nycht

gäbe

? ? ?

 

 

Versteck

Dieter P. Meier-Lenz

 

ich fliehe in den untertitel

des ungeschriebenen romans

dort hocke ich im hauptkapitel

und warte auf die stimulanz

 

ich schreibe an die samenbank

und hole die reserven runter

ich ordne meinen narbenschrank

die letzten werte gehen unter

 

mein nierentisch ist längst zersägt

mein leberwert mein gallenstein

sind mit der zeit schön ausgeprägt

mein blasenstein beißt mich ins bein

 

ich spüre mein gefrornes hirn

zerkratze mit der hustengabel

die rotverheulte dichterstirn

ich pople im metaphernnabel

 

ich sitz auf meinem hodenfleck

in meinem schmerzenskloversteck

und komme da nicht weg

 

  

RELY-REZY

   10 Jahre lang bringt er sie nun schon heraus, Karl-Heinz Schreiber, der Kultyge aus dem unterfränkischen Goldbach, die 'Kult', das "letzte Poesychaoticum der Republyk". Und das wird im Innenteil von zeitgenössischen Schreibern und Schreiberinnen entsprechend gewürdigt. So erfährt der Leser auch, daß in diesen 10 Jahren über 220 Autoren Beiträge in der Kult publizierten. Sie sind namentlich aufgelistet. Viele von ihnen gehören zu den ganz Beharrlichen. Ihre Namen tauchen in unterschiedlichsten Printmedien auf oder gehören zu den "Austauschfreunden", denen das Motto zugesprochen wird, daß sie keine "Konkurrenten" sind, sondern ein "großes Poesy-Kollektyv".

    Unter "LOS ARTYSTOS" sind die 28 Autoren der neuen Ausgabe aufgelistet, wobei sich der Herausgeber bescheiden ausnimmt: Hat er doch selbst über 20 Buchrezensionen zur Nr. 21/05 beigesteuert. Für die Zukunft wünscht sich der Herausgeber verstärkt Rezensionen zu Büchern mit gesellschafts bzw.- ideologiekritischen Inhalten. Die jetzt erschienene Ausgabe bietet unter "rezyYdeology" schon einmal sechs Rezensionen von Büchern, deren Themen den spanischen Bürgerkrieg, den Faschismus in Texten und Medien oder den "sachlichen Islam" behandeln, aber auch wissenschaftliche Tabus oder die Politik nach dem Neoliberalismus. Der Herausgeber mahnt an anderer Stelle berechtigt die Autoren, sich in ihrer Arbeit nicht aus gesellschaftspolitischen Zusammenhängen zu entfernen - quasi in den Elfenbeinturm zu entweichen (Anmerkung d. Verfassers).

     Wie gewohnt bietet auch die neue Ausgabe wieder ein Forum. Da befaßt sich Max Holon z.B. mit einer neuen Strategie auf Hartz IV, nämlich Montagsfeiern statt Montagsdemos oder Canady mit der "zweigeteilten Gesellschaft". Wilfried Meyer hinterfragt im Rahmen der Abtreibungsdebatte "Was ist ein Mensch?"

     Im Literaturteil z.B.erlebt Marc Mrosk den Boxkampf zwischen Maik Tyson und Evander Holyfield auf dramatische Weise, wenn das abgebissene Ohr aus der Glotze auf seinen Wohnzimmerteppich fällt. Rüdiger Saß schildert kritisch die Vorgänge um eine kleine Heldin, welche die Grabensoldaten mit Trinkwasser versorgt und Armin Steigenberger versucht sich als Theaterdramaturg mit einem Ausschnitt aus "Bazillen". Geschildert wird eine ziemlich chaotische Familienszene, wenn der Vater Freigang aus dem Knast bekommt und seiner Tochter den bosnischen Freund auf sehr eindrucksvolle Weise madig macht. Gedichte gibt es auch z.B. von Alexandra Friedmann, die u.a. die "Paranoia" in Verse schmiedet, wobei sich die vierte und die achte Zeile so etwas wie reimen. Da sind gute Ansätze zu erkennen, am schriftstellerischen (dichterischen) Handwerk muß noch geschliffen werden. Macht aber nichts, die Idee, auf der das Geschriebene fundiert, stimmt. Grafik ist auch dabei - Franzflug 1 bis 6 von Matthias Kraus, sechs siebgedruckte Scherenschnitte - auf "schönem Papier" in den Farben rot bis blau für 220 € pro Blatt zu bestellen bei www.krauskunst.de  Na ja, versuchen kann man es ja mal ...        H.T. Reliwette

 

http://www.krauskunst.de/Dossier/Puddings/Franzflug/franzflug.html