KULT27

kultregister

 

Graphyk:  Frank Milautzcki

Y N H A L T

 

YNTRO   1

FORUM   2

Milautzcki, Psychologie des Daseins - Schmidt-Salomon, Staat und Religionen - KHS, Kein Monopol - Thom Delißen, Presse Freiheit - Holon, Kultur

68er   10

Dutschke - Panek - Schittko - Jäger - Delißen - Werner - Zwißler - Wrobel - Reliwette - Bergmann - Branstner - Hübsch - Zeizinger - Rosner - Liersch - Durrang - Adolphy - Weber - Pricha - Caputo

rezySPECYAL   27

Labyrinth

centerfoldARTYST   28

Frank Milautzcki

75 Jahre Bücherverbrennung   30

Weidermann, Das Buch der verbrannten Bücher

rezy68er   32

Pflitsch/Gogos - Schneider - Sievers - Hannover/Schnibben -

Cohn-Bendit/Dammann - Mohr - Kraushaar - Frei - Ditfurth - Heuer

rezyLYTERATYR   42

Améry - Handke - Milautzcki - Ohlsen - Paarmann - Shayegi - Rathenow - Winkler

PROSSA   47

Ewart Reder - Christian c. Kruse - Marc Mrosk

rezyPOLYTYK   52

re/visionen - Europa - Alle Macht den Räten - Louise Michel - Erich Fromm - Wilhelm Vossenkuhl

rezyRELY   56

Das dAdAlAmA - Duell der Komödianten

 
 

Neunzehnhundertachtundsechzig

Siggi Liersch

 

Als die Schriftsteller sich mit ihrer Harmlosigkeit

nicht abfinden konnten

und Rosa Luxemburg

schon fünfzig Jahre tot war

und das politische Analphabetentum

Triumphe feierte

und Ulrike Meinhof

noch Kolumnen schrieb

und auch in der Sowjetunion keine

revolutionäre Literatur existierte

und der „Tod der Literatur“ selber

eine literarische Metapher war

und die Demonstrationen immer schöner wurden

mit großen gelben Ginstersträußen

und vielen roten Fahnen

 

Als die Frage nach dem Zweck der Dichter

sich trivialerweise durch

die Bedürfnisse der Leser beantwortete

und die Ästheten die Welt

nur verschieden interpretierten

anstatt sie zu verändern

und es Zeit war hinaus zu gehen

dahin wo mich die Wasserwerfer erwarteten

kam ich müde vom Fußballkick

aus dem Feld

gebeugt wie Uwe Seeler

nach der Wembley-Schmach

und mit den Gedanken

bereits bei der Strafpredigt

zur Englischfünf im Halbjahreszeugnis

 

AUFGESTOßEN

Manfred Pricha

 

sie sind angekommen
im marsch durch die institutionen
an die macht gespült
endlich auf der richtigen seite stehen
im leben die hörner abgestoßen
der barrikaden überdrüssig
der utopie im anzug abgestreift
die modernen intellektuellen
vom studentendasein emporgehoben
vertreten sie die interessen
gelassen in abkehr zum früheren lärmen
unisono die elite der leistungsträger
die bleibt wo es sich gehört
unter sich und im fett schwimmend
obenauf als auge gebildet
zur freude ihrer freunde der wirtschaft
leistung soll sich wieder lohnen
verraten uns ihre reden jeden tag
wie eine welle durch das land gehen
das ungeliebte von ihrer pflicht erfüllt