KULT28

kultregister

 

Graphyk:  Ingrid Freihold

 

 

Y N H A L T

 

 

YNTRO   01

FORUM   02

Kruse, Aufruf zur Veränderung des Systems - Holon, Übernahme des Patriarchats durch den Matrismus - Reliwette, Über das Göttliche in der Kunst und ihre soziale Aufgabe - Delißen, Eckig und rund - Oehler, Über das Unvermögen einen wirklich guten Text zu schreiben

PROSSA   08

Esther Schmidt - Rüdiger Saß - Timo Haubrich - Mark Mrosk - Gottfried Rehm

rezyLYTERATYR   18

Stüwe - Hartge - Fuchs - Saß - 1001 Nacht - Iwein - Kafka - Dath - Fiebich - Pfeiferová - Hintz - Grass - Doe - Paarmann - Zander - Shayegi

CENTERFOLD   28

Treulieb, Die neue deutsche Guerillalyrik (Ein Manifest)

rezyRATYO   31

Denken Sie selbst - Generation Doof - Das Verbrechen der Vernunft - Alles fühlt - Die Kunst der Selbstachtung - Der ganz normale Wahnsinn - Die Macht der Gene - Warum der Mensch spricht - Sigmund Freud Songbook - Gegenwartskonzepte - Der Rahmen - Beschreibung des Menschen - Die Geburt der Philosophie - Die Philosophie der Physiker

LYRYK   42

Alfred Zoppelt - Bernd Ernst - Thom Delißen - Hartmut T. Reliwette - Hans-Jürgen Hilbig - Georg Walz - Susanne Geduhn - Dittmar Werner - Johannes Witek - Eberhard Loosch - Joachim Durrang - Magdalena Jagelke - Michael Hüttenberger - Dieter P. Meier-Lenz - JanaJana - Wolfgang Sysak - Cordula Scheel - Werner Saemann

rezyPOLYTYK   51

Die Grenzen des Kapitalismus - Das Kapital - Wirtschaft und Buddhismus - Fidel Castro - Die Gretchenfrage

the last possyble words   56

Nietzsche, Unzeitgemäße Betrachtungen

 

 

WELTENDE

Für Jakob van Hoddis

 

dem bürger rutscht vom dicken bauch die hose

ein raumschiff schifft sich blindlings ins verderben

und auf den straßen lungern arbeitslose

der weltenraum zerplatzt in tausend scherben

 

das wasser steigt - man flüchtet in die berge

und keiner macht mehr was gescheits

zunächst ermordet man die sieben zwerge

die leute holen sich beim vögeln aids

 

und ein atompilz macht mal wieder tote

vom kirchturm bricht die goldne spitze ab

im meer versinken nun die rauschgiftboote

und dünne kinder hungern sich ins grab

 

Dieter P. Meier-Lenz

 

 

VOR MEINER TÜR

JanaJana 

 

da ist niemand nur der grünblaue

morgen wie eine erscheinung der

 

noch schlafende tag verzeih

mein intimes schauen meine neugierde

 

mein schwingen und zittern  mit dem

sommerlaub im aufkommenden wind

 

dies ist die zeit die ich meine dieses

nochnichtsein des tages dieses

 

beginnen von dem keiner weiß

was es bringt wenn getrocknet der tau sein

 

glitzern aufgesogen von glühender

sonne die äste den atem anhalten um nicht

 

zu wecken das laub das sich hingibt

dem wind und die hitze verschläft

 

was dieser tag bringt - keiner weiß es

Und ich schließe die tür

 

Die Neue Deutsche Guerrilla Lyrik

Ein Manifest

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by Treulieb

 

 

Am Anfang war das Wort.....

 

Doch wem gehört es heute?

 

Wer hat sich klammheimlich der Deutungshoheit über die Wörter bemächtigt?

 

Wer hat uns die Worte im Mund umgedreht und uns sprachlos gemacht, angesichts des

Entsetzlichen, das Menschen durch ihre Taten in die Welt gebracht haben?

 

Waren es intellektuelle Schaumschläger, die aus unserer Sprache handliche Schlagworte bastelten?

 

Oder haben die angestellten Marktschreier so viel Bedeutung aus den Worten gesogen, dass sie wie leere Hülsen zu Boden fielen, Überbleibsel einer Zeit, als wir unseren Gefühlen noch Namen geben konnten?

 

Hat man zu viele Parolen gemacht?

 

Zu viele Lügen, Propaganda, heilige und unheilige Schriften und unhaltbare Versprechen?

 

Ist versprechen so ähnlich wie verlaufen?

 

Haben wir uns irgendwie verlabert, uns ein Stück (zu) weit eingebracht, jeden Winkel Realität besprochen, ausdiskutiert, durchgekaut, debattiert, verhandelt, auf den Punkt gebracht, von allen Seiten betrachtet und dann nicht mehr ernst genommen?

 

Haben uns unsere Dichter und Denker verraten und verkauft, indem sie unsere Sprache an den Meistbietenden verhökert haben?

 

Wann haben wir unser Wort gegeben?

Jetzt wollen wir es wieder haben! Ab heute wird zurückgedichtet. Ab heute wird zurückgedacht.

 

Wer die Metaphern beherrscht, beherrscht die Welt. Wir wollen die Welt nicht den Werbeagenturen und den Wahlkämpfern überlassen.

Nichts ist selbstverständlich. Hören wir auf, uns was vorzumachen.

 

Kann man noch Poesie wagen nach Auschwitz?

 

Ist Lyrik zeitgemäß und gibt es Menschen, die noch Gedichte lesen?

 

Ja, verdammt, sie tun es täglich, aber wir haben sie nicht geschrieben.

 

Wir haben die Sprache den Medien, der Politik und der Werbewirtschaft überlassen. Selber schuld, wenn wir den Wortbrei nicht mehr ertragen.

 

Ganze Bürokratien verwalten Satzbau und Rechtschreibung.

 

Entwickeln wir eine Linksschreibung und lassen wilden Satzwuchs zu. Legen wir falsch Zeugnis ab und kümmern uns um die Neusprechschäden.

 

Gehen wir den Worten wieder auf den Grund, statt mit der Stange im Nebel zu stochern.

 

Lyrik ist das ultimative Instrument, der Welt unsere Meinung zu sagen. Keine langen Erklärungen! Kurze harte Einschläge.

 

Die Neue Deutsche Guerilla Lyrik recycelt den Wortmüll.

 

Wir machen Gedichte für alle. Lyrik, für die man nicht studiert haben muss, Poesie, die lebt und liebt, die fühlt, rockt, lacht, weint, friert, das Herz wärmt und das Hirn durchblutet, die sich hingibt und ejakuliert.

 

Freude am Lesen und Schreiben!

 

Lasst Euch nicht verarschen! Gedichte sind geil! (Man gönnt sich ja sonst nix.)

 

Also kommt raus aus den Kellerlöchern, Hinterstübchen und Elfenbeintürmen und schreibt Worte der Macht in den kalten Beton. Dichtet auf offener Straße. Holen wir uns die Plakatwände wieder zurück. Zeigen wir den Menschen, dass Lesen keine Zeitverschwendung ist, sondern so wichtig wie Essen, Trinken und Ficken.

 

Gedichte aufs Handy? Logo!

Damit es im Hirn klingelt.