KULT29 

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KULT Nr 29/09

 

56 Seiten  Kultiges im DIN A 4 Format mit provokantem Titelbild von Matthias Kraus auf gelbem Hintergrund: eine barbusige Lady lüftet ihr schwarzes Kleid und hat nichts drunter während diverse Herren im Umfeld muscleposing vollziehen. Der Künstler bestreitet übrigens auch die übrige graphische Beteiligung dieser Ausgabe „locker ironisierend“. Wie nicht anders zu erwarten liebäugelt der Herausgeber, Karl Heinz Schreiber aus Unterfranken“,  auch in dieser Ausgabe mit „Unser aller Poesy-Chaoticum“ und hat die beachtliche Anzahl von 31 „Artystos“ der schreibenden Zunft“ in der neuesten Ausgabe versammelt. Eine große Menge Arbeit steckt in seinem ehrgeizigen Literaturzeitschriften- Projekt.. Als 32. Artist  liefert er selbst die Rezensionen. Weltanschauliches vollziueht sich neuerdings unter „Rezy H O R Y Z O N T: Erstmalig in dieser Ausgabe eine Besprechung einer Kabarett /Comedy Aufführung ( Dieter Nuhr).

Im Forum befasst sich H e r b e r  t B e e s t e n mit vordergründigen Inhalten von Poetry- Slamtexten und stellt die(inzwischen auf breiter Ebene)heiß diskutierte Frage: ob Slamveranstaltungen in ausschließlich comedyähnliche Spaß- und Klamaukpräsentationen abgleiten und die literarischen Inhalte auf der Strecke bleiben?

F r a n k  M i l a u t z c k i  befasst sich in seinen Ausführungen mit der fehlenden Bereitschaft (und Möglichkeit)der Menschen in unserer Gesellschaft zur Utopie und begründet dies mit einer Auflistung von dramatischen Gegebenheiten einer gelebten System- und Werteverhaftung innerhalb der westlichen Gesellschaften. Wilhelm Busch würde dazu. knapp und bündig reimen: „Wehe, wehe – wenn ich auf das Ende sehe!“

 G e r d a  J ä g e r, die in dieser Ausgabe auch als Rezensentin erscheint, schreibt zu den gesellschaftlichen Hintergründen, die hinter Gewalttaten Jugendlicher zu vermuten sind und nimmt den „Amoklauf von Winnenden“ zum Anlass ihrer Eruierungen.

 

 Die Lyriker kommen auch zu Wort, selten warm und anheimelnd als vielmehr schockierend wie C l e m e n s  S c h i t t k o mit seinem IN-SOURCING (-.) POEM, das vom Herrichten der eigenen Leiche erzählt.

 

Dass man Lyrik auch bildlich herstellen kann, beweist M. Krause mit seiner Darstellung von:

„Große Männer werfen ihre Socken voraus! Ein Mann mit nacktem Oberkörper wird von Zuschauern umringt. Er wirft seine Socken in die Menge (oder eben voraus).

 

D e t l e f  M i x präsentiert einen Text, den er auf jeder Poetry Slamveranstaltung lesen könnte, wäre er nicht etwas lang geraten: „Artgerechte Buchhaltung“, eine Mischung aus

Glosse und Satire, auf alle Fälle aber witzig und intelligent. Dargestellt: verschiedene Aspekte, was man mit Büchern alles anstellen kann, vor allem aber wie sie zu halten sind.

Artgerecht natürlich!

 

M a r c  M r o s k  schildert die letzten Gedanken eines Sterbenden, der  sich eigentlich nur noch mit der „Erinnerung an Früher befasst“ während sich die Pflegekraft schon zum nächsten Patienten verabschiedet.

 

Eine „russische Erzählung“ aus der Feder  von A n d r e a s  P e t e r s  (Diktat und der Dichter). die  sich zu Beginn dieses Jahrhunderts .ereignete (?). Josef muss einen Aufsatz schreiben: „Das Erfurter Programm von Kautsky“. Der Lehrer: ein Einpauker der Revolution. Eingerahmt wird die kurze Erzählung vom Mysterium der Konsomolzen Szenerie einer russischen Schule um 1900. Wer dieser Josef ist, verrät der Autor nicht.

Zitat:

„Anna Andreewna Achmatowa. schrieb in ihr Tagebuch: Josef hatte keine Lehrer. Darüber lohnt es sich nachzudenken. Ich kenne in der Weltpoesie nichts Ähnliches. Wir wissen, woher Puschkin und Blok kommen. Josef hatte keine Lehrer, außer vielleicht Gott allein. Der bestattete ihn auch und niemand kennt sein Grab bis auf diesen Tag, außer dem Bestatter selbst.“ Zitat Ende

 

T h i l o S h n e i d e r  befasst sich zynisch böse mit dem „Treffen der Freunde der Literatur“.

Wo dieses Treffen stattgefunden hat, verschweigt des Sängers Flöte. Allerdings sind sich  Autoren untereinander nicht immer grün, das ist bekannt, besonders in Fällen, wo „Arrivierte“ auf „respektlosen Nachwuchs“ treffen, der aus der Flasche trinkt und hochgestochenen Smalltalk reiferer Damen unerträglich findet. (Zitat: „Ich weiß nicht, wovon mein verwelktes Groupie spricht“). Au – au, das geht unter die Gürtellinie und: Zitat: „Nun, ich entnehme jener Aussage, dass sich der Brillenvogel selbst für einen schwer intellektuellen Literaten und mich für einen proletarischen Comedianabschaum hält“. Ach so, ja, T.Schneider freut sich dennoch, dass er dieses „Essay“ in Prosaform“ mit einer „Schippe Lyrik“ und einem schönen Schnapsglas „Phonetik“ (bzw, Fonetik“ wie einer der anwesenden Deutsch-Studienräte zu erklären wusste) in die Tasten rotzen konnte.

Thilo Schneider „schreibt lieber für den Rang als fürs Parkett. Ob Prosa, Lyrik oder einfach nur Prosit ist ihm scheißegal.“

 

Na ja, in der Malerei gab es auch mal „die jungen Wilden“. Sie haben sich nicht lange gehalten – jedenfalls nicht in der Szene. Irgendwann sind auch sie „arriviert“ und dann sieht alles schon ganz anders aus.. Aus den Wilden werden die Milden – alles eine Frage der  An- und Einbindung- oder?..

 

R ü d i g e r  S a ß  stellt in zwei kurzen Abschnitten „I Der Zeitgeist und II Der Zeitgeiz“ in unmittelbaren Zusammenhang und überprüft lakonisch bürgerliche IST - Zustande am Beispiel junger oder älterer  spießiger „Bauchbürger“, wenn zum Beispiel sich der „Kampfhund Hector an Enten oder Langläufern austobt“. Der Zeitgeist – so Saß -  sieht das Elend anderer nicht.

 

H.T.R.     http://www.keinverlag.de/texte.php?text=242133