Unser neues altes OPST-Manifesto
"Formalitäten sind in diesem
Kreis verpönt und bleiben es . . . Alles ist unmittelbar, nur auf den
Gegenstand gerichtet, der zur Debatte steht: den vorgelesenen Text. (...)
Es gibt kein Theoretisieren, nur Kritik am Gegenstand, an dem gerade
Vorgelesenen. Und die Freude an der Kritik, an der alle teilnehmen, der
gelesen hat, wie der, der noch lesen will."
(Hans Werner Richter, Zur Gruppe 47)
I
Der
Offene Poeten/Stamm/Tisch in Frankfurt/M besteht seit März 1997! Wir treffen
uns jeweils am 4. Mittwoch im Monat ab 19.30 Uhr im Club Voltaire!
Begonnen hat alles in der alten Romanfabrik (Uhlandstraße)
- zwischenzeitlich versammelten wir uns im Theater in der Universität
(Senckenberg-Anlage) und der neuerstandenen Romanfabrik (Hanauer
Landstraße) - seit Januar 2001 waren wir in der DenkBar
(Schillerstraße) - schließlich sind wir im September 2004 im Club
Voltaire (Kleine Hochstr. 5) gelandet. Wir danken allen Etablissements, die uns gastlich aufgenommen haben!
Wir sind ca. 20 aktive Mitglieder (Altersstruktur unbegrenzt,
verschiedenste Berufe & Berufungen) - und freuen uns immer wieder auf
neue Leute! Freilich wäre es mehr als vermessen, uns mit der Gruppe 47
vergleichen zu wollen - allerdings streben wir im Ansatz nach einer ähnlichen
Arbeitsatmosphäre, in der sich die Personen auch nach der Textkritik noch
vertragen und respektieren.
II
OPST ist die Anlaufstelle für Poetinnen & Poeten aller Art in
Frankfurt & Umgebung! Initiator ist Karl-Heinz Schreiber (VS). Wir
sind offen für alle, die ohne Poesie nicht leben können! Wir sind
besessen davon zu schreiben & uns auszutauschen! Wir treffen uns in möglichst
kollegialer Atmosphäre, lesen mutig unsere Texte vor & diskutieren über
sie. Wir wollen voneinander lernen, was gute Literatur ist & in
welcher Weise man angemessen kritisiert - wir wollen also aktive &
passive Kritikfähigkeit kultivieren - fundierte Kritik anderer Texte und
uneitle Selbstkritik!
Das bedeutet einerseits, fair & effektiv zugleich gemeinsam
Kriterien zu entwickeln - andererseits auch die Akzeptanz womöglich
unbequemer Hinweise auf Schwachstellen eigener Elaborate. Dabei besteht
die größte Kunst nach bisheriger Erfahrung wohl darin, sich auf den
jeweiligen Text einzulassen & ihn ohne antrainierte Scheuklappen zu
diskutieren - & überhaupt sauber zu trennen zwischen etwaigen persönlichen
Vorbehalten & sachlichen Kategorien. Im übrigen darf bei uns auch
Anerkennung ausgesprochen werden!.
OPST wird nicht gesponsert & gehört keiner Kultur-Mafia an -
wir existieren völlig autonom & tauschen auch Informationen aus über
Veröffentlichungsmöglichkeiten in Anthologien & Zeitschriften oder
vergleichbaren Kleinverlags-Projekten - & wir veranstalten Lesungen,
arbeiten an verschiedenen Live-Darbietungsformen & sind anderweitig
aktiv (z.b. bei der MMPM - MainzerMiniPressenMesse oder bei Poetry Slams
oder ehemals bei SinnFlut im Café Casablanca oder beim alljährlichen
'Sommerfest der Poesy' in Goldbach)!
III
Ein wesentliches Element ist dabei auch die Zusammenführung von
Routiniers & Anfängern sowie die Konfrontation konventioneller &
experimenteller Literaturformen & auch mit anderen Kunstformen (Musik, Malerei,
Performance etc.). Grundidee ist die Begegnung, ist der Austausch -
kreative Kommunikation!
Wir
melden uns zu Wort mit dem Medium der Poesie. Weder in Form noch in Inhalt
kennen wir Tabus (naja - fast keine . . .). Wir schreiben über alle
Themen, die das konkrete Leben bietet - wir fühlen uns der Sprache
verpflichtet, wie sie sich aus Intuition und/oder Reflexion ergibt &
entwickelt. Wir wollen die eigene poetische Kraft entdecken &
freisetzen - & sie anderen mitteilen. Wir ergänzen die banale Welt
durch poetische Bilder, um dem Barbarismus & der Borniertheit
entgegenzutreten.
Wir
sind allerdings keine Missionare - eher Liebhaber, die versuchen, mit
ihrer Melancholie oder ihrer Wut umzugehen - & immer wieder zwischen
Realität & Phantasie zu vermitteln. Dabei halten wie es ein wenig mit
Paul Klee, der einmal sagte: "Es ist nicht Ziel der Kunst, die
sichtbare Welt nachzuahmen, sondern etwas sichtbar zu machen." Allein
die Poesie kann uns immer wieder befreien von der Umständlichkeit &
Schwerfälligkeit unserer Existenzweise.
KHS
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